Nicht Eine weniger!

Ein Drittel der italienischen Frauen, Migrantinnen und Ausländerinnen, erfährt physische, psychische, sexuelle Gewalt häufig im sozialen Nahraum und vor den eigenen Kindern. Seit Beginn des Jahres wurden in Italien dutzende Frauen von Männern ermordet. Gewalt an Frauen, die von Männern ausgeübt wird ist keine Privatsache, auch keine Notsituation, sondern eine strukturelle Problematik, die alle Ebenen unserer Gesellschaft betrifft und daher von politischer Bedeutung sein muss. Der Ursprung männlicher Gewaltanwendung an Frauen ist im Machtungleichgewicht zwischen den Geschlechtern zu suchen. Die Austeritätspolitik, Reformen betreffend den Arbeitsmarkt und die Schule sowie die Auswirkungen vorhergehender Handlungen der letzten zehn Jahre, haben dazu beigetragen die kulturellen, sozialen und sexuellen Diskriminierungen zu festigen und zu vertiefen, sowie die Selbstbestimmung der Frauen zu bedrohen.

Die Gewalt betrifft jeden Aspekt der weiblichen Existenz. Sie kontrolliert, bestimmt und drillt die Körper und Leben der Frauen: in der eigenen Familie, am Arbeitsplatz, in der Schule, an der Universität, in der Öffentlichkeit, in der Nacht, bei Tag, in den Krankenhäusern, in den Medien und im Web.

Die Männergewalt an Frauen kann nur durch eine tiefgreifende und radikale gesellschaftliche Veränderung gestoppt werden. Dies hat uns die Frauenbewegung gelehrt und verdeutlicht sich im Bemühen der Gewaltschutzzentren, ein gesellschaftliches Umdenken anzuregen und Orte des politischen Handelns zu sein und nicht „nur“ neutrale Hilfseinrichtungen, auch wenn dies immer wieder der vereinfachte Lösungsansatz der Institutionen ist.

Jetzt reicht es! Das ist er Aufschrei, der sich in unterschiedlichen Ländern der Welt erhebt.

In Polen, in Argentinien und in Spanien haben die Frauen durch Protestaktionen die Staaten gelähmt und Aufmerksamkeit erregt mit ihrem öffentlichen Kampf gegen die Gewalt und Frauenmorde und für die weibliche Selbstbestimmung. In unterschiedlichen Ländern mit immer demselben Appell erobern die Frauen die Öffentlichkeit, definieren und teilen ein gemeinsames Gedankengut und bauen Brücken zu allen Teilen der Welt. Die Bewegung geht über die Staatsgrenzen hinaus und lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf die politische Stärke der Frauen.

Auch in Rom haben hunderte Frauen am vergangenen 8. Oktober im Rahmen einer nationalen Sitzung und nach Monaten der Vorbereitung entschieden, öffentlich aufzutreten und das Wort zu erheben gegen die täglichen Gewaltanwendungen und das Massaker zahlreicher Frauen durch männliche Hand. Dieser öffentliche Protest wendet sich an alle Frauen und geht über geografische Grenzen. Gewalt darf dabei nicht als Problem der öffentlichen Ordnung abgetan werden. Ebenso wendet sich der Protest gegen jede Form der Gewaltanwendung gegenüber lesbischer Frauen und Transsexueller. Gewaltanwendung, um die heterosexuelle Orientierung als Norm aufzudrängen ist ebenso nicht tolerierbar, entspricht nicht der gesellschaftlichen Realität und vor allem nicht den individuellen Wünschen und Bedürfnissen. Wird eine von uns verletzt sind wir alle betroffen!

Am kommenden 26. November, anlehnend an den Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, werden in Rom, Frauen aus ganz Italien gemeinsam zu einem Protestmarsch antreten. Gemeinsam vereint mit dem Aufruf „Non Una di Meno! – Nicht Eine weniger!“. Der große Frauenprotest wendet sich an Alle für die das Ende der Männergewalt an Frauen Priorität hat und die darin die größte Chance auf Veränderung der derzeitigen gesellschaftlichen Ungerechtigkeit erkennen.

Der Protestmarsch am 26. November, beginnt in der Piazza della Repubblica um 14.00 Uhr, durchläuft die Straßen der Innenstadt Roms, trifft auf bedeutende Symbolorte und wird in der Piazza San Giovanni enden. Parteipolitische und gewerkschaftliche Fahnen, Symbole, Werbeplakate und Slogans sind nicht erwünscht. Um für den 26 November einen signifikanten, einheitlichen und gemeinsamen inhaltlichen Austausch anzuregen wird der blog https://nonunadimeno.wordpress.com/ zur Verfügung gestellt.

Der 26. November ist nur die erste Etappe einer spezifischen Bewegung, durch die ein Feministischer Aktionsplan gegen die Männergewalt an Frauen erarbeitet und vorangetragen werden soll, im Sinne einer weitläufigen Bemühung für die Selbstbestimmung der Frauen.

Am 27. November, um 10.00 Uhr ist in der Grundschule Federico di Donato (Nino Bixio Str. 83, Rom) eine weitere nationale Sitzung geplant. Behandelt werden in mehreren Arbeitsgruppen unterschiedliche Schwerpunkte, die im Rahmen der letzten Sitzung am 8. Oktober festgelegt wurden. Die Sitzung endet mit dem Austausch im Plenum und dabei sollen weitere Vorhaben entschieden werden, um die Bewegung weiter anzuregen.

Nicht Eine Weniger!

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